Warum alte Bücher erst restauriert und dann digitalisiert werden

„Bitte kühl und trocken lagern, sonst nehmen sie Schaden“. Was sich wie ein Tipp zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln anhört, gilt hier für Bücher. Denn je höher die Temperatur, desto schneller altert das Papier, weil jede Temperaturerhöhung die chemischen Prozesse beschleunigt, die der Alterung zugrunde liegen. Und je höher die Luftfeuchtigkeit, desto günstiger sind die Wachstumsbedingungen für schädliche Mikroorganismen. Schimmelpilze und Stockflecken in Büchern sind die Folge.

In der Universitäts- und Landesbibliothek in Düsseldorf lagern Bücher deshalb bei einer konstanten Temperatur von 18 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von maximal 55 Prozent.

Bücher für die Ewigkeit?

Bücher sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Auch wenn sie mit größter Sorgfalt hergestellt wurden und qualitativ hochwertige und haltbare Materialien verwendet wurden, zerfallen sie mit der Zeit. Ganz typische Schäden sind fehlende Deckel,  kaputte Messingschließen, abgeplatzte Rücken und Schädigungen am Papier.

Wenn Bücher hier in der Düsseldorfer Uni-Bibliothek landen, haben sie meist schon einige lange Geschichte hinter sich. Die wertvollsten Fragmente einige Tausend Jahre, die anderen wenigstens ein paar Hundert.

Restaurierungswerkstatt

In der Restaurierungswerkstatt der Düsseldorfer Uni-Bibliothek rettet ein Team von Buchbindern und Restauratoren alte Bücher vor dem Zerfall und bereitet sie für die Digitalisierung vor.

Sind die Schäden an den Büchern beseitigt, werden sie neu gebunden und eingeschlagen. Ziel ist allerdings nicht sie in den Originalzustand zurückzuversetzen. Vielmehr wird versucht, so viel wie möglich von der Gebrauchsgeschichte des Buches zu erhalten und nur so viel zu reparieren, dass das Buch wieder benutzbar ist.

An einer historischen Zeitung zeigt Buchbindemeister Ulrich Schlüter, wie zerstörtes Papier mit Hilfe von Leim und hochfeinem, transparentem Japanpapier repariert und stabilisiert wird. Nach einer solchen Behandlung kann man die Zeitungsseite wieder anfassen und lesen.

Schonende Digitalisierung

Damit alte Bücher nicht immer wieder in die Hand genommen werden müssen, werden sie nach dem Restaurieren digitalisiert. Besonders wertvolle und fragile Bücher, Codices oder Drucke werden auf dem Grazer-Buchtisch digitalisiert. Hier werden sie größtmöglich geschont, denn das Buch muss nicht vollständig aufgeschlagen werden. Die Seiten werden per Unterdruck fixiert. Die eigentliche Aufnahme macht eine hochwertige Digitalkamera am Grazer Buchtisch.

Der Grazer Buchtisch ermöglicht ein besonders schonendes Scannen, vor allem von wertvollen historischer Bücher und Incunabeln. Schonung bedeutet, dass man das Buch nicht 180 Grad aufklappen muss, sondern einen kleineren Öffnungswinkel bestimmen kann. Und man muss das Buch so wenig wie möglich anfassen.

Ergebnisse im Browser betrachten

Die Ergebnisse lassen sich sofort am Computermonitor überprüfen. Aber noch wichtiger: Die digitalisierten Buchseiten stehen ab jetzt im Internet bereit. Jeder kann dieses Buch mit einem Internet-Browser lesen oder damit wissenschaftlich arbeiten.

Für weniger empfindliche Bücher oder Karten werden im Digitalisierungszentrum derzeit Aufsichts- und Zeilen-Scanner eingesetzt, die das Scannen von mehr als 1 Meter breiten Vorlagen ermöglichen.

Thorsten Lemanski, Wissenschaftlicher Bibliothekar, erklärt, warum digitalisiert wird: „Wir digitalisieren, weil wir die Bücher, gerade die historischen Bestände der Forschung und der Lehre zugänglich machen wollen. Und zum anderen sind wir ja auch Landesbibliothek, und als solche möchten wir das kulturelle Erbe des Landes, was wir hier bewahren, sichtbar machen, und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.“

Einzigartiges Wissen

Alte Bücher enthalten mitunter einzigartiges kulturelles oder naturwissenschaftliches Wissen. Forscher müssen deshalb auf die Original-Bücher oder die digitale Kopie zurückzugreifen können. Die Restaurierung von Büchern ist deshalb kein überflüssiger Luxus, sondern ermöglicht zum Beispiel Historikern oder Sprachwissenschaftler erst die  Forschungsarbeit. Aber auch interessierten Laien wie Familienforschern oder Regional-Historikern steht der digitale Buchbestand in Düsseldorf jederzeit zur Verfügung.

Links / Quellen

Alte Bücher fit für die die Digitalisierung, Deutsche Welle, Indonesische Redaktion
http://www.dw.com/id/selamatkan-buku-kuno-lewat-digitalisasi/av-18812169

Alte Bücher – fit für die die Digitalisierung
http://www.rp-online.de/panorama/wissen/bildung/alte-buecher-fit-fuer-die-digitalisierung-aid-1.4166006

Virtuelle Folianten
https://www.zeutschel.de/zeutschel/export/sites/zeutschel/de/aktuelles/pressespiegel/cxt_Stabi_2013.pdf

 

 

 

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