Wie jedermann vom Sofa aus zum Höhlenforscher werden kann

Vor knapp 2000 Jahren dienten die Katakomben in Rom als Grabstätten. Bis heute sind nicht alle Tunnel erforscht, weil die engen Gänge teilweise einsturzgefährdet sind oder durch das radioaktive Edelgas Radon verseucht.

Für solche Einsatz-Szenarien wurde „Matilda“ entwickelt, ein selbst fahrender Roboter, der unterirdisch 3d-Karten erstellt. Forscher der Uni Bonn haben in der Unterwelt Roms „Matilda“ getestet. Ergebnis: neuartige 3d-Modelle über den Zustand der Katakomben, die vor allem für Archäologen interessant sind – aber auch für interessierte Laien.

Elektronischer Höhlenforscher erstellt 3d-Karten

skitchEin junges Entwicklerteam der Uni Bonn hat die Algorithmen entwickelt, mit denen der Roboter den frühen Christen in Rom auf der Spur ist. Das mit Hightech voll gestopfte Gefährt ist mit 30 Zentimetern pro Sekunde in den stockdunklen Priscilla-Katakomben unterwegs. Vollkommen selbständig und in Echtzeit erstellt die Software 3d-Karten und Videos. Der Roboter scannt mit mehreren Kameras 20 mal pro Sekunde die Umgebung. Eine 50 Watt-LED-Lampe dient als Videoleuchte. Trifft das Kettenfahrzeug auf ein Hindernis weicht es geschickt aus und setzt seine Erkundungsfahrt fort. Aus den Bildern wird ein möglichst genaues Modell der unterirdischen Umgebung erstellt.

Warum sich „Matilda“ nicht verirren kann

Rovina-catacomb_-1-c39fca9c38bb6806[1]Verirren kann sich das Gefährt nicht. Der Trick: „Matilda“ fährt kreisähnlich immer wieder in bereits erkundetes Terrain zurück, und wagt sich erst dann in neu zu erforschende Bereiche. Prof. Cyrill Stachniss, Leiter des Projekts in Bonn erklärt die Schleifenfahrt so: „Das Ziel der Schleifentaktik ist es, jederzeit eine möglichst genaue Karte zu erzeugen. Und indem der Roboter wieder in bekannte Bereiche zurückfährt, ist er in der Lage Fehler zu korrigieren und am Ende eine hochgenaue Karte zu berechnen. Damit der Roboter seine Aufgaben erfüllen kann, muss er extrem geländegängig sein, was vor allem den eingesetzten Gummiketten zu verdanken ist.

Eine Notfall-Software verhindert im Outdoor-Einsatz, dass der Roboter verloren geht. Tritt ein Fehler im System auf, findet der Roboter selbständig seinen Weg zum Ausgangsort zurück. Nur ein kompletter Stromausfall würde das verhindern.

Höhlenforschung für jedermann vom Sofa aus

ziparo14icomos-v2.pdfDer Roboter soll später von Archäologen, Historikern oder Bauingenieuren eingesetzt werden, um historische Stätten zu erforschen und zu erhalten.

Rund fünf Kilometer hat der elektronische Höhlenforscher in den Priscilla-Katakomben schon kartiert. Mit den 3d-Videos soll später jeder die geheimnisvollen Gänge bequem von Zuhause aus im Internet erkunden, ähnlich wie bei Google „Street-View“.

Links / Quellen

Deutsche Welle, Indonesische Redaktion: Roboter erforscht Roms Unterwelt

Heise Online: Roboter navigiert autonom durch die Katakomben von Rom

Express: „Robbi“ aus Bonn erforscht Roms Katakomben

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